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Fernsehkritik: Über Hassprediger und Islamisten im “nachtstudio”
Von Konservativ | 10.März 2010

“In einer demokratischen Gesellschaft gehe ich davon aus, dass Sie den Anzug, den Sie heute tragen, aus freien Stücken tragen und dass den Ihnen nicht Ihre Mama hingelegt hat. Und genauso gehe ich erstmal davon aus, dass jemand, der ein Kopftuch trägt, dieses Kopftuch aus freien Stücken trägt.”
Würde es für eine angemessene Fernsehkritik eigentlich auch reichen, nur diesen einen Satz zu zitieren, das Zeichen der heiligen Einfalt darüber zu schlagen und sich anschließend unter dem gnädigen Einfluss von Schmerztabletten wieder schlafenzulegen? Diese Frage drängte sich mir in der Tat auf, nachdem ich in der Nacht von Sonntag auf Montag in den Genuss des “nachtstudios” des ZDF kam.
Urheber des Eingangszitats ist ein gewisser Claudius Seidl, Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er und drei weitere Diskutanten waren bei Volker Panzer im “nachtstudio” zu Gast, um den vorangegangen Streit zwischen den Feuilletonschreibern bekannter Tageszeitungen auf der einen Seite und Henryk Broder “und seinen Schwestern” (gemeint sind die Islamkritikerinnen Necla Kelek und Seyran Ates) auf der anderen Seite nun auch vor der Kamera auszutragen. Die Kritiker der Kritiker am Islam hatten im Vorfeld getönt, Broder und Konsorten seien durch ihre Angriffe auf die Moslems als die eigentlichen Hassprediger zu betrachten. Die Gescholtenen hatten sich ihrerseits mit entsprechenden Artikeln zur Wehr gesetzt.
Nun war der Streit endlich von den Zeitungen ins Fernsehen gewandert. Die Rollen waren dieses Mal nicht so klar verteilt wie sonst zu solchen Anlässen, aber doch immer noch für das geübete Auge gut erkennbar: Der streitlustige Polemiker Henryk Broder in Kampfstimmung (und in geschmacklosen roten Schuhen) und Claudius Seidl als pseudotoleranter Schwätzer vom Dienst traten als Antipoden auf. Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad und die Religionspädagogin Lamya Kaddor waren wohl als die gemäßigteren Sekundanten gedacht, erlaubten sich aber eine unabhängige Positionierung, indem sie hin und wieder auch der Gegenseite Recht gaben.
Seidls Anfangsstatement, dass seine Kritik “gar nicht so scharf gedacht” war, wie sie gelesen wurde, verwunderte ein wenig (es waren schließlich in seinem Artikel Begriffe wie “Rassismus” und “heiliger Krieger” gefallen). Im weiteren Verlauf der Debatte schien er sichtlich bemüht, einen möglichst wirren Eindruck beim Zuschauer hinterlassen zu wollen. Insgesamt wirkte Seidl so, als ob Woody Allen sich an einer Ströbele-Imitation versuchen würde (falls dem erstgenannten die Existenz des letzteren bekannt wäre). Kritik am Kopftuch wusste der Gelehrte mit der Frage zu kontern: “Warum verdecken Frauen in der westlichen Welt ihre Brüste?” Eine reichlich misslungene Analogie. Besser wäre die folgende gewesen: Ein bisschen Irrationalität muss man dem Islam schon erlauben, denn wir lassen ja schließlich auch den Seidl ins Feuilleton.
Aber nein, das hat er leider nicht gesagt, stattdessen verwies er im Zusammenhang mit der Kopftuchdebatte auf die Nonnentracht. Das letztere jedoch ein Art Berufsbekleidung darstellt, aus der junge Mädchen unmöglich schließen können, als anständige Frau habe man sich ebenfalls so und auf gar keinen Fall anders zu kleiden, kam ihm nicht in den Sinn. Er war zu sehr mit Differenzieren beschäftigt.
Von Henryk Broders Redebeiträgen ist seine Problematisierung der “Freiwilligkeit” in Bezug auf das Kopftuch hervorzuheben. Broder erwähnte, dass Natascha Kampusch auf die Frage, ob sie Sex gehabt habe mit ihrem Entführer, geantwortet habe: “Ja, aber es geschah freiwillig”. Diese Fiktion der Freiwilligkeit werde, so Broder, von Opfern gerne erzeugt, um sich einen Rest an Würde zu wahren. Angaben zur Freiwilligkeit seien also mit Vorsicht zu genießen.
Wer nun dachte, die Seidl’schen Kopftuchweisheiten seien bereits erschöpft gewesen, wurde schnell eines Besseren belehrt: Auch der zehnjärhige Junge ethnisch deutscher Herkunft, so Seidl, trage ja vielleicht Kleidung, die er nicht tragen will und nur unter Androhung von Ohrfeigen angezogen hat. Dass auch dieses Szenario problembehaftet ist (Ohrfeigen gelten in Deutschland nämlich auch dann als Körperverletzung und sind verboten, wenn sie ein Kind von seinen Eltern erhält) und daher nicht wirklich zum Vorbild taugt, ist dem entschlossenen Verfechter des elterlichen Erziehungsrechts wohl entgangen.
Hamed Abdel-Samad sprach vom dauernden Beleidigtsein vieler Moslems als Problem, vom Feuilleton als intellektueller Onanie und davon, dass für ihn Islamkritik Humanismus bedeute. Er warb für eine unverkrampfte Streitkultur (“Jeder darf sagen, was er will”). Lamya Kaddor ließ wissen, dass sie sich in der derzeitigen Debattenkultur nicht wiederfinde – weder auf der Seite der überzogenen Islamkritik noch auf der der konservativen Islamverbände. Ihrer Ansicht nach seien viel musmlische Jugendliche zwar sehr stolz auf ihr Muslimsein, wüssten aber nichts vom Islam. Kaddor selbst trägt kein Kopftuch und bekundete auch, das Kopftuch an Kindern schrecklich zu finden. Sie stört sich zudem daran, dass bei der aktuellen Debatte um Imamausbildung noch nicht einmal gefragt wird, ob auch Frauen Imame werden könnten. Claudius Seidl streute zwischendurch noch das Schmankerl ein, die Definition des Deutschseins sei es, zum Volk der Täter zu gehören. Huch! War nicht damals in der Hohmann-Debatte behauptet worden, dass der Begriff des Tätervolks nur von Rechtsradikalen selbst verwendet würde, um sich als Opfer darzustellen? Egal, jedenfalls war spürbar, wie sehr Seidl in seiner Rolle als Anwalt der Minderheiten aufging. Er muss auch wissen, wovon er redet, denn laut Wikipedia befasst er sich in Büchern “mit dem Problem, als Münchner in Berlin zu leben”.
Moderator Volker Panzer leitete souverän durch den Abend und zog sich zu Demonstationszwecken sogar kurzzeitg eine Burka an. Gegen Ende der Sendung brachte er noch einmal die Emotionen in Wallung, indem er ein Zitat von Monika Maron einstreute, wonach es Parallelen gebe zwischen der Kritik am Islam heute und der Kritik am Kommunismus zur Zeiten des Kalten Krieges: Die Intellektuellen würden lieber die Dissidenten angreifen, anstatt sich mit den kritisierten Zuständen auseinanderzusetzen. Broder nahm diese Vorlage gerne auf und bescheinigte dem deutschen Feuilleton eine Affinität zu totalitären Bewegungen, was Seidl zum Hyperventilieren brachte.
Was sind nun die Erkenntnisse des Abend? Für mich sind es die folgenden zehn:
1. Wer Seidls Texte schlimm findet, hat ihn noch nicht reden hören.
2. Sollten zehnjährige Jungs ihren Che Guevara-Pullover nicht tragen wollen, bieten sich immer noch Ohrfeigen an.
3. Unter mancher Burka verbirgt sich ein Panzer.
4. Wir sollten uns vom Verhüllen eines Kopfes nicht provozierter fühlen als vom Verhüllen von Brüsten.
5. Es lohnt sich, sonntags länger wach zu bleiben.
6. Jeder Mensch, der ein Buch geschrieben hat, darf es in einer ZDF-Fernsehsendung dekorativ vor sich auf den Tisch legen.
7. Feuilletonchefs der FAS verwenden bei intellektuellen Debatten als Argument gerne mal sprachliche Variationen eines Wortes, das “grundsätzlich verwerflich [ist], da es ein ganzes Volk für die Taten einer Gruppe verantwortlich macht” (Zitat aus der Begründung für das Unwort des Jahres 2003 “Tätervolk”).
8. Keine Erwähnung von Geert Wilders ohne passende NPD-Anspielung.
9. Rassismusvorwürfe gehören in den Bereich der maßvollen, zärtlichen und zurückhaltenden Kritik.
10. In einer demokratischen Gesellschaft muss man davon ausgehen, dass jemand, der sich im Fernsehen zur Witzfigur machen lässt, dies auch freiwillig tut.
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Topics: Medien, Religion | 13 Kommentare »















10.März 2010 at 02:28
Seidles ohne Rückrat, haben wir schon genug.
Panzer hätte mal 4 Stück Broders einladen sollen – das hätte das Vertrauen im die Medien gestärkt.
Und das wirre Islam-Geschwafel eines Seidles höchstens als Intro einspielen sollen, wie dumm-dreist in unserem Land immer noch weltfremde 68er-Gemüter versuchen, die öffentliche Meinung zu verbiegen.
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10.März 2010 at 06:18
Antiislamisches Plakat zeigt Minarette als Raketen
(17)
9. März 2010, 18:10 Uhr
Die rechtsextreme Front National verbreitet in Frankreich Plakate mit dem Motto „Nein zum Islamismus”. Sie zeigen Minarette, die wie Raketen aussehen. Der Parteichef wurde wegen Rassismus vor Gericht verklagt. Trotzdem kommen die Rechtsextremen nach aktuellen Umfragen bei der kommenden Regionalwahl auf elf Prozent….
http://www.welt.de/politik/ausland/article6706259/Antiislamisches-Plakat-zeigt-Minarette-als-Raketen.html
Die Franzosen gönnen sich noch eine echte Opposotion. Ihnen blieb auch die komplette Umerziehung mit der Nazikeule erspart.
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10.März 2010 at 13:24
” Diese Fiktion der Freiwilligkeit werde, so Broder, von Opfern gerne erzeugt, um sich einen Rest an Würde zu wahren. Angaben zur Freiwilligkeit seien also mit Vorsicht zu genießen. ”
Da könnte der Mann durchaus richtig liegen.
Karl Schippendraht
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10.März 2010 at 13:59
Bei manchen kann es sich auch um so eine Art Trotzreaktin handeln, eine Art Uniform, Absonderung von den Deutschen etc.. Der Motivationen gibt es viele. Die einen verschandeln sich ihren Körper mit Tätowierungen, Ohren- und Nasenringen, verstecken sich hinter Sonnenbrillen usw. usf..
Natürlich mag es bei einigen auch freiwillig religiös motiviert sein. In Deutschland trugen in früheren Zeiten auch viele Frauen Kopftücher oder bedeckten ihre Haare mit Hüten etc., es war unschicklich wenn Frauen mit Fahrrädern fuhren, Schminke während der Woche war auch so ein Thema, lackierte Zehennägel usw.. Es gibt soviele Gründe sich Beschränkungen aufzuerlegen oder freiwillig unterzuordnen, das man hier nicht anfangen kann dies alles aufzuzählen. Ist auch egal.
Lassen wir sie ihr Leben leben, in ihrer Heimat und leben wir das unsrige auf deutsche Art.
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10.März 2010 at 15:31
Viellleicht lieber der Scharia folgen und Kindesmißbräuchler in die Schranken weisen, als Lüge und Betrug fröhnen mit Bimbes-CDU und Mövenpick-FDP !?
Wahlfreiheit nennt man das heute. Na toll !
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10.März 2010 at 15:33
@ Befreier:
???
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10.März 2010 at 16:14
@konservativ
???
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10.März 2010 at 18:32
Ich meinte: Ich verstehe deinen Beitrag nicht.
Könntest du ihn erläutern?
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10.März 2010 at 19:07
DOKU
…………………………….
Big Jim meint:
10.03.2010 um 14:22
Noch ein Beispiel für Qualitätsjournalismus:
In Münster (NRW) hat ein 60jähriger in der Fußgängerzone auf einem Regenponcho zwei Parolen gezeigt. Vorne: “Kanzlerin, schick’ die Türken nach Hause” und hinten: “Die Kanzlerin macht Schulden, um die Türken zu ernähren”. Nachdem Passanten die Polizei gerufen haben, wurde der Poncho durch Beamte beschlagnahmt und jetzt auf ausländerfeindliche Strafrelevanz geprüft. Die Lokalpresse hat auf Weisung der Polizei die Slogans nicht veröffentlicht, sondern nur von “wirren Sprüchen” berichtet. Der Aktionist kam aus dem Ruhrgebiet.
http://fact-fiction.net/?p=3877#comments
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15.März 2010 at 21:10
Bevor jemand meinen Artikel falsch interpretiert:
Mein Artikel erwähnt zwar die “Tätervolk”-Debatte, ist aber *keine* Sympathieerklärung für Martin Hohmann. Mir ging es, unabhängig von Hohmann, um eine Begriffskritik.
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16.März 2010 at 06:42
Das war ein wichtiger Hinweis, nicht, dass da noch jemand auf falsche Gedanken kommt.
“Ich distanziere mich….”
“Ich unterstütze nicht…”
“Ich entschuldige mich…”
etc.
Solche Sätze sollen immer am Anfang oder Ende einens Beitrages stehen. Damit ja keiner auf die Idee kommt, irgendeine Formulierung/Aussage könnte eine Unterstützung geächteter Personen/Meinungen darstellen. In der BRD muss man schon aufpassen, was man wie sagt und schreibt. Psst, der Große Bruder sieht alles, hört alles.
Dies deutet auf ein Klima der Angst und Unsicherheit.
Ich distanziere mich ausdrücklich niemals, da müsste ich mich ja auch von Stalin, der Linkspartei, Mao, Ernst Thälmann etc. ständig distanzieren, und entschuldige mich für nichts, was ich selbst verursacht habe.
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16.März 2010 at 06:48
Tja, wenn ich tatsächlich Formulierungen verwendet hätte wie “distanzieren”, “nicht unterstützen”, “entschuldigen”… dann, lieber Bauer Gerhard, hätte dein Beitrag ja vielleicht noch irgendeinen Sinn gehabt. Da dem aber nicht so ist…
Weder habe ich Angst noch bin ich unsicher. Aber Herrn Hohmanns Positionen (und ich meine hier auch Positionen, die nichts mit der damaligen “Tätervolk”-Rede zu tun hatten) sind nun mal zum größten Teil nicht meine Positionen. Ich hoffe, du gestattest mir genügend Meinungsfreiheit, um auch das sagen zu dürfen?
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16.März 2010 at 06:58
Die Frage ist nur, machst Du das immer so?
Wenn Du in Deinen Artikeln, Kommentaren Personen namentlich nennst, distanzierst Du Dich dann von gewissen oder gar allen seinen Positionen oder kann man davon ausgehen, dass Du, falls Du dies nicht tust, mit dessen Positionen in allen Punkten übereinstimmst?
Wohl kaum, das wird auch niemand annehmen.
Das ist ja gerade der Punkt, den ich ansprechen wollte, bei gewissen Personen/Themen ist man geradezu “gezwungen” gewisse Formulierungen einzubauen, damit andere es nicht in den falschen Hals bekommen, während man bei anderen locker darüber hinweggehen kann.
Mein Beitrag war nicht als persönliche Kritik an Deiner Distanzierung von Hohmanns Positionen gedacht, das kann ja wirklich jeder halten wie er will, Dein Beitrag ist nur, wieder, ein Beispiel dafür, welche Verhaltensregeln in bestimmten Bereichen gelten. Ungeschrieben, unbewusst und doch sind sie da.
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