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Wehrpflicht oder Berufsarmee?
Von Daniel N. | 26.März 2009

Angesichts des sich ausweitenden Einsatzes der Bundeswehr insbesondere in Afghanistan wird die Diskussion um den Aufbau der deutschen Armee lauter. Wie der Spiegel berichtet, sind sogar Kölner Richter der Meinung, dass eine Wehrungerechtigkeit herrsche, da immer weniger Rekruten eingezogen und immer mehr Jungen ausgemustert werden.
Mehr als 40% der Soldaten kommen im Übrigen aus Ostdeutschland, in dem aber nur 15 von 80 Millionen Bundesbürgern leben – eine weitere Schieflage in der “Wehrgerechtigkeit”. Die Befürworter einer Freiwilligen-Bundeswehr, die seit Ende des kalten Krieges ohnehin von 500.000 auf 250.000 geschrumpft ist argumentieren weiterhin, dass eine Wehrdienstbundeswehr der Zeit nicht mehr “angemessen” sei und von daher abgeschafft werden solle. Auch die Fraktion der EU-Armee-Befürworter, die die Bundeswehr weitestgehend transformieren und in eine EU-weite Militärorganisation umwanden wollen sind zumeist gegen die Wehrpflicht einer Massenarmee.
Bundesverteidigungsminister Dr. Jung aber spricht sich vehement für die Wehrpflicht aus – der Dienst an der Gemeinschaft durch Wehrdienst und Zivildienst (der mit der Wehrpflicht wegfallen würde) sind wertvoll und haben sich bewährt. Weiter ist Jung der Überzeugung, dass die außerordentliche Beliebtheit der Deutschen Armee im Ausland im Vergleich zu anderen Armeen auch gerade darin liegt, dass hier der Bürger in Uniform kämpft – mitfühlend und nicht nur ausschließlich als als Soldat. Der gute Geist der Truppe und das positive Verhalten im Einsatz rühren auch daher, dass hier nicht nur langjährige Berufssoldaten sondern auch verschiedene andere gesellschaftliche Gruppen zusammenwirken.
Die Kosteneinsparung einer Berufsarmee im Vergleich zur Wehrpflichtsarmee aber wird relativ gering geschätzt, insbesondere da die Umstrukturierungskosten immens wären. Hinzu kommt, dass die Integration von Armeeteilen in die auf europäischer Basis laufende Eingreiftruppe bereits jetzt viele Ressourcen verbraucht, die mit den noch verfügbaren Mitteln des Gesamt- Wehretats von 31,2 Milliarden auch gerade so abgedeckt werden.
Die Frage ist also: wie sieht die Deutsche Armee des 21. Jahrhunderts organisatorisch aus? Wird sie in einer europäischen Armee aufgehen? Wird die Wehrpflicht beibehalten oder eine Berufsarmee aufgestellt?
Topics: Bundeswehr | 9 Kommentare »





26.März 2009 at 05:23
Die Wehrpflicht muss erhalten bleiben.
Keine Söldnerarmee.
Was soll das heißen, eine europäische Armee. Deutschland ist und bleibt ein souveränes Land, wenn auch alles betrieben wird, um die Souveränität aufzuheben.
Keine internationalen Kriegseinsätze, die Buwe muss eine reine Verteidigungsarmee sein.
26.März 2009 at 08:15
Was einer Berufsarmee i.d.R. fehlt ist die Aufwuchsfähigkeit im Spannungs- oder Verteidigungsfall. Ferner hat eine Wehrpflichtigen-Armee durchaus eine sozialisierende Komponente, die man nicht unterschätzen darf.
26.März 2009 at 10:33
Es muß eine bessere Wehrgerechtigkeit praktiziert werden und die Bundeswehr darf nicht länger als Stiefkind der Nation behandelt werden. Weniger Krampf gegen Rechts sondern verstärkt darauf achten,- besonders auf Führungsebene -, daß die Wehrkraft nicht durch linkes Gedankengut gefährdet wird. Erste Anzeichen dafür gibt es leider schon.
Karl Schippendraht
26.März 2009 at 13:33
Pro Wehrpflicht.
Zum einen wegen der von Brutus erwähnten sozialisierenden Komponente (in ganz verschiedener Hinsicht) und auch deswegen, weil die Mannschaftsdienstgrade sonst sicher durchgehend mit Leuten besetzt würden, denen wenig zuzutrauen ist.
Außerdem finde ich es gut, eine Zeit für die Gemeinschaft zu absolvieren. Man sollte ruhig darauf achten, dass möglichst viele dies auch tun müssen (Wehrgerechtigkeit).
26.März 2009 at 15:47
hehe, bin ich froh ausgemustert geworden zu sein und dieses Scheiß nicht machen zu müssen. Keiner soll gezwungen werden zum Dienst an der Waffe, es ist nur gut, dass es wenigstens die Möglichkeit des Zivi´s gibt, oder in manchen B-Ländern sogar FSJ oder FÖJ (Freies Ökologisches Jahr)als Ersatz.
@ K. Schippendraht: Kann es sein dass du dir die Wehrmacht zurückwünschst?
Wenn besinnungsloses Saufen, sich knechten lassen und perverse Spielchen mit Totenköpfen etc. sozialisiert, dann bin ich froh nicht druch die Bundeswehr sozialisiert worden zu sein.
Auflösung der Bundeswehr und Abrüstung ist der richtige Weg – Weg mit Waffengewalt, Her mit der Vernunft.
26.März 2009 at 18:23
@ 5. Linker
” Her mit der Vernunft.”
An Ihrer kultivierten Anrede erkenne ich schon, mit
welchem IQ ich es hier zu tun habe. Von daher empfehle ich Ihnen, Ihre eigenen Worte erstmal selbst zu verinnerlichen.
Karl Schippendraht
26.März 2009 at 23:36
Dass eine Wehrpflicht nur dann vermittelbar ist, wenn sie auch wirklich jeden eines Jahrgangs betrifft (das schließt selbstverständlich alle Menschen ein und nicht nur Männer), ist doch eigentlich offensichtlich. Eine auf totale Willkür gegründete Pflicht ist höchst ungerecht.
Aber selbst wenn wider erwarten demnächst wieder mehr junge Menschen zu Kanonenfutter ausgebildet werden würden und endlich auch Frauen zu diesem zweifelhaften Glück gezwungen werden würden, stellt sich die Frage: Wozu eigentlich?
Oder anders ausgedrückt: Sind junge Menschen für die Gesellschaft nicht deutlich nützlicher, wenn sie ein Jahr früher Geld verdienen, Steuern zahlen, die Abwrackprämie nutzen und Firmen gründen können, stattsich zum Töten ausbilden zu lassen?
Übrigens stellt sich darüberhinaus die Frage, wozu wir überhaupt noch die Wehrpflicht brauchen, um Menschen das Töten beizubringen. Schließlich geht das doch angeblich mit den bösen Killerspielen viel besser. Und vor allem billiger.
27.März 2009 at 12:03
Die Argumente pro Wehrpflicht sind ja alle schön und gut, nur: Warum gelingt es denn schon seit Jahren nicht, Wehrgerechtigkeit herzustellen?
Das Bundesverfassungsgericht sollte hier eine klare zeitliche Vorgabe setzen. Ansonsten muß diese schreiend ungerechte Wehrpflicht abgeschafft werden.
4.November 2009 at 13:13
wehrpflicht ist keine zwangsrekrutierzng, man dient doch nur dem staat und ich finde euer intoleranter Pazifismus geht zu weit.