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Der Kampf der Kulturen
Von Philipp | 28.Dezember 2008
Bildquelle Karte License /Bildquelle Photo License
Einer der wohl besten und weitsichtigsten Autoren unserer Zeit, Samuel P. Huntington, der Autor des ebenso bekannten wie wohl klarsichtigen Werkes “Clash of Civilizations” ist am Weihnachsabend verstorben. Für die FAZ und für mich ein Grund, noch einmal auf die sehr umstrittene aber wohl wahre Kernthese des Autors hinzuweisen.
Als Fukuyama nach dem Zusammenfallen der Sowjetunion das Ende der Geschichte und die endgültige Dominanz der demokratischen, kapitalistischen und freiheitlichen westlichen Welt durch die USA voraussagte, widersprach -wie wir ale sehen mit Recht- Huntigton und machte klar, dass der Ost-West-Konflikt nur sehr viel stärkerer Bruchlinien zwischen den großen Kulturkreisen überdeckte. Ich selbst las sein Buch bereits vor vielen Jahren und vor kurzem wieder, da seine Thesen -man fühlte ich etwas an Peter Scholl-Latour erinnert, doch allzu oft die Realität vorweg beschrieben.
Die FAZ berichtet:
(….)Huntington, eine Generation älter und erfahrener als Fukuyama, fand sich nicht mit dem Traum vom künftigen Frieden ab, sondern suchte nach den ältesten und damit beständigsten, also auch zukunftsweisenden Gründen für kollektive Feindseligkeiten unter den Menschen. Und ihm gelang eine Entdeckung, die eigentlich nur ein Hinweis ist, welche ihn aus der Tausenderschar mehr oder weniger angesehener Politologen heraushebt. Anders als all jene, die abstrakte Begriffe oder Methoden zur Lösung irgendwelcher Konflikte in den Mittelpunkt ihrer Forschungen und Veröffentlichungen stellen, benannte Huntington die großen Strömungen der Vergangenheit, Gegenwart und – seiner Überzeugung nach – Zukunft. Dort, wo sie aufeinandertreffen, fließen sie seiner Analyse nach nicht so friedlich ineinander wie etwa in Passau die Donau, der Inn und die Ilz (einige seiner Kritiker vertreten genau eine solche Ansicht), sondern sie prallen zusammen – die deutsche Übersetzung „Kampf der Kulturen“ hört sich noch martialischer an als der Originaltitel „The Clash of Civilizations“.
Huntington war als Anhänger der Demokratischen Partei und als zeitweiliger Berater der amerikanischen Regierungen, 1977/78 sogar als Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates sowie als Verfasser origineller Bücher nah genug an der operativen Politik, um zwischen Warnungen und Prophezeiungen unterscheiden zu können. Zwar sah er in den Kulturen die ausschlaggebenden Kräfte für die Gestaltung der Weltpolitik, aber nicht jeder Gewaltakt war für ihn Ausdruck dieses Millionen oder Milliarden von Individuen mitreißenden Kräftemessens zwischen den unterschiedlichen Summen aus Religionen und Lebensweisen.
Viele – auch wissenschaftliche – Vorwürfe heimste er mit der Wiederentdeckung der Religionen in der Politikwissenschaft und der Weltpolitik ein. Anders als die irdischen Weltanschauungen, die ihre Anhänger und Gegner lediglich mit diesseitigen Aussichten in Schach halten können, versprechen die größten Religionen „ewige“ und damit unwiderlegbare Belohnung oder Strafe, was offensichtlich ganz andere Bindungswirkungen unter den Massen zu entfalten vermag. Die Religionen waren im Zeichen der Aufklärung einerseits und des Materialismus andererseits zur vernachlässigbaren Größe erklärt worden.(….)
Besonders Teile des letzten Absatzes sollten Sie beachten:
(….)Huntingtons Sorge galt der Verwässerung der angelsächsischen Kultur seiner amerikanischen Heimat durch vermeintlich stärkere, jedenfalls nicht integrierbare andere Kulturen. Sein letztes großes Werk „Who are we?“ (Wer sind wir?) aus dem Jahre 2004 wirkt wie der Punkt auf dem i seines Lebenswerkes. Von Huntington wird geredet werden, bis die Vereinigten Staaten zwischen den Einwanderern der letzten vierhundert Jahre und den Latinos aufgeteilt sind. Wäre er ein Europäer gewesen, hätte er andere Beispiele herangezogen.(….)
Clash of Civilisations enthält zwar einige Fehler (so behauptet er z.B. die BRD habe 1991 als erstes Kroatiens Unabhängigkeit anerkannt, dabei war es Island) hat sich aber mit seiner Kernthese als weitaus stimmiger erwiesen, als es unzählige ‘Experten’ aus Politik, Islamwissenschaft usw. usf. wahrhaben wollten. Die westliche Welt steht als nicht geschlossenes, wohl aber zusammenrechenbares System dem Russischen, dem Chinesischen, dem Indischen und Lateinamerikanischem aber vor allem dem islamischen Kulturkreis gegenüber – manchmal als Partner, oft als Konkurrenten, manchmal als Gegner aber auch in offener Feindschaft. Wer diese jahrtausende alte Wahrheit leugnet und auf die Gleichheit und Gutartigkeit aller Menschen hinweist, um Konflikten aus dem Weg zu gehen, wird zwar der eigenen Kultur zum Untergang verhelfen – Kriege und Leid wird er nicht verhindern.
Topics: Kultur | 13 Kommentare »
















28.Dezember 2008 at 13:41
Joa ich habs hier auch liegen. Sollte ich mal weiterlesen.
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28.Dezember 2008 at 13:51
Nun ja, vielleicht sollte man Rußland in die “westliche Wertegemeinschaft” aufnehmen?
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28.Dezember 2008 at 14:02
Bedingt ja -aber eben nur bedingt. Die sind schon ein bisschen was anderes, unsere orthodoxen Freunde – wenngleich die gemeinsamen Interessen doch erheblich sind.
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28.Dezember 2008 at 15:25
Weder Deutschland, wie Huntington behauptete, noch Island, wie hier vermeintlich klar gestellt wurde, haben Kroatien als erste Staaten anerkannt. Wäre sein Machwerk weniger seinen Auftraggebern verpflichtet, würde darin vielleicht deren Interessen vor Ort erwähnt. Wohin überall Waffen, Informationen und Soldaten geliefert oder zum Einsatz gebracht werden, sprengt jedoch ein einfaches Buch und würde sogar Bibliotheken sprengen. Wäre es eine echte, unvoreingenommene Analyse, würde man zum Schluss kommen, das zwar Kroaten und Serben übereinander her fielen, aber das ihre Waffen wechselseitig frisch aus Frankreich oder Russland geliefert wurden, ihre Erkenntnisse über den Gegner von amerikanischen oder russischen Satelliten abgelichtet wurden, oder die Professionalisierung an den Krisenherden vielleicht auf Ausbilder aus dem ‘befreundeten’ Ausland zurückzuführen ist. Nur solang der Strom solcher ‘Hilfslieferungen’ anhält, hält auch der Kampf der Kulturen an. Ehrlich betrachtet beheizen wir seit Jahrzehnten all diese Stellvertreterkriege selbst, um mehr Einfluß geht es uns, und nur Kontrolle verlieren wir. Kommt doch mal runter, macht was vernünftiges aus Eurem Blog, anstatt offenkundige Fehleinschätzungen wiederzukäuen.
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28.Dezember 2008 at 15:37
Die Grundthese ist doch, daß die Bruchlinien nicht mehr nach politischen Dogmen sondern nach kulturellen Unterschieden verlaufen.
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28.Dezember 2008 at 16:18
Der Kampf der Kulturen ist kein Naturgesetz. Um ihn zu vermeiden, brauchen wir lediglich die Sharia einzuführen.
Für den Frieden ist das doch wirklich kein zu hoher Preis, oder?
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28.Dezember 2008 at 16:54
Diese Karte für die Illustration, die erinnert mich an…
http://en.wikipedia.org/wiki/File:IQ_by_Country.png
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28.Dezember 2008 at 17:45
Bis jetzt wurde noch jeder Krieg von einer Regierung angefangen.
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28.Dezember 2008 at 18:01
” Wer diese jahrtausende alte Wahrheit leugnet und auf die Gleichheit und Gutartigkeit aller Menschen hinweist, um Konflikten aus dem Weg zu gehen, wird zwar der eigenen Kultur zum Untergang verhelfen – Kriege und Leid wird er nicht verhindern. ”
Sehe ich auch so.
Karl Schippendraht
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28.Dezember 2008 at 18:55
Sehe ich ohne Einschränkung ebenso wie mein Vorredner in @ 9.
Was allerdings in @ 4 so zu lesen ist, da wird von „Machwerk“, „Auftraggebern“, „Fehleinschätzungen“ die „wiedergekäut“ werden und ähnlichem Unsinn schwadroniert, da fällt einem echt nix zu ein.
Es ist mal wieder dieses typische Alt68er-Gelaber, das noch nie zu etwas Vernünftigem geführt hat. Was waren denn die Ursachen des Balkankrieges? Oder schauen wir mal nach Dafur oder in den Nahen Osten. Man könnte die Reihe der Beispiele ohne Ende fortsetzen.
Es reicht übrigens bereits ein unvoreingenommener Blick (d.h. ohne die rosarote Multikultibrille) in einige Gegenden deutscher Großstädte.
Solche Statements wie in @ 4 zeigen nur wie richtig die in @ 9 zitierte Aussage ist.
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28.Dezember 2008 at 19:48
@Udo Springfeld
Schön, daß sie uns so unverblümt und direkt ihre Sicht der Dinge sagen. Erlauben sie, daß ich das ebenfalls versuche.
Ihre Sorge und den Frieden, den Rechtsstaat und die Moral mag durchaus vorhanden sein, aber vermutlich erst an zweiter oder dritter Stelle.
An erster Stelle geht es ihnen doch, ihren eigenen Blog, der kurz vorm “Absaufen” ist, vor dem endgültigen Mißerfolg zu retten, in dem sie sich hier als Rächer der Witwen und Waisen aufspielen in der Hoffnung, hier Traffic für ihren eigenen Blog abzustauben. Als Trittbrettfahrer sozusagen.
Tut mir leid, aber diese linke Tour muß ich ihnen vermasseln. Investieren sie doch die Reste ihres Gehirnschmalzes in ihren eigenen Blog, die zwei Zugriffe pro Tag werden es ihnen danken. Gute Reise …
Wer sich überzeugen möchte:
http://www.blogoscoop.net/blog/udo.springfeld.eu/blog
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29.Dezember 2008 at 00:56
Ich habe das Buch gelesen, Seite für Seite, und kann nur sagen, man wird dem Huntington noch Abbitte leisten müssen. Viele Linke, die hasserfüllt gegen dieses Buch wettern, heben es nicht gelesen.
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29.Dezember 2008 at 05:55
[...] CDU-Blog gedenkt dem an Heilig Abend verstorbenen Samuel Huntington und erinnert an dessen These vom Zusammenprall [...]
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