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Kanzlerin der Deutsch-Türken
Von Philipp | 12.Februar 2008
von Petates bei flickr.com
Angela Merkel ist ja nun eigentlich auch Kanzlerin der Deutsch-Türken – so zumindest sieht sie es. Fragt man die Betroffenen, könnte das schnell ganz anders aussehen. Frustrierend ist das alle mal – fast so sehr wie die Reaktionen verschiedener mehr oder minder fähiger Politiker auf Erdogans Besuch:
Die Kanzlerin widerspricht heftig den Forderungen des Türkischen Staatsführers und macht, spät aber endlich doch, im ihr möglichen Rahmen klar, wo Schluß ist mit dem türkischen Nationalismus in diesem Land:
„Was das Integrationsverständnis des türkischen Ministerpräsidenten anbelangt, so sind wir noch nicht am Ende der Diskussion“, sagte Frau Merkel nach einer Sitzung des CDU-Präsidiums in Hamburg. Integration setze die Bereitschaft voraus, sich in die Lebensweise eines Landes einzufinden. Erdogan hatte davor gewarnt, die eigene kulturelle Identität aufzugeben. Frau Merkel versicherte den türkischstämmigen Menschen in Deutschland: „Ich bin auch ihre Bundeskanzlerin.“
Frau Merkel wies außerdem Erdogans Forderung nach der Einrichtung türkischer Gymnasien und Universitäten in Deutschland zurück. Zwar gebe es auch deutsche Schulen in der Türkei, sagte Frau Merkel. Doch es müsse in Deutschland ausgebildeten Lehrern vorbehalten bleiben, an Schulen in Deutschland zu unterrichten – auch solchen mit „Migrationshintergrund“. „Das heißt nicht, dass sie nicht ihren eigenen kulturellen Hintergrund haben können, aber die Loyalität gehört dann dem deutschen Staat“, sagte die Kanzlerin.
Die Reaktionen verschiedener Deutscher Interessenvertreter oder Politiker mit Migrationshintergrund sind zwar unterschiedlich und nicht immer falsch, aber insgesamt leider enttäuschend, weil sehr voreingenommen und türkisch-nationalistisch geprägt.
So fordert zum Beispiel im Anschluß an Erdogan der stellvertretende Generalsekretär der bisweilen sehr radikalen und von Ankara finanzierten und gelenkten aber legalen Organisation Milli Görüs, Mustafa Yeneroglu:
Es könne doch nicht sein, „dass in den Rundfunkräten zwar christliche Vertreter sitzen, aber keine Vertreter der Muslime“, sagte Yeneroglu. Die Grenzen dafür, wieviel Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft zumutbar sei, wird nach seiner Auffassung „allein durch das Grundgsetz definiert“.
Für ihn (Cem Özdemir, Grüne) sei Assimilation nichts, zu dem einen jemand zwingen könne, denn das Grundgesetz lasse jedem die Freiheit, sich nicht zu integrieren. „Assimilation findet individuell und freiwillig statt – wenn etwa in einer binationalen Ehe sich die Partner entscheiden, ein Kind zu taufen und nicht zu beschneiden.“
Eine ausnahmsweise mal sehr kluge und die Situation erfassende SPD-Politikerin rettet hier die Ehre der Politik und wirft die Frage auf, warum diese kluge Frau bei der SPD ist:
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün wies auf die zwei Richtungen der Integration hin. „Wir müssen den Leuten sagen: ,Ihr gehört zu uns.‘ Andererseits muss sich jeder Einwanderer bemühen, sich auf das neue Gemeinwesen einzulassen.“ Deutschland biete Einwanderern größere soziale Sicherheit als Amerika, trotzdem sagten Einwanderer dort nach kurzer Zeit „This is my country“ und hier nicht. Daraus schließt sie: „Wir brauchen eine neue Idee von unserem gemeinsamen Deutschland.“
Und jetzt, für die Masochisten unter den Lesern, kommts ganz dicke, wenn wieder die Versäumnisse der Deutschen aufgezählt und das Türkentum eigentlich in Deutschland lebender Menschen hochgehalten wird:
Der Vorsitzende des Islamrats in Deutschland, Ali Kizilkaya, nannte die Aufregung um Erdogan unverständlich. “Assimilation abzulehnen steht doch nicht im Gegensatz zu Integration, sagte er dem “Tagesspiegel”. “Wir leiden schließlich in Deutschland darunter, dass viele junge Migranten gar keine Identität mehr haben.” Der Regierungschef dürfte vielen Türken aus dem Herzen gesprochen haben, als er seine Landsleute aufgefordert habe, die Ursprungskultur nicht zu vergessen, aber sich zu integrieren und die deutsche Sprache zu lernen.
Wenn Sie als jemand, der die Muslime integrieren will, als jemand der gern die friedvollen Muslime aufnimmt denken, dass diese Aussage schrecklich ist: eine toppt wie immer alle multikulti-Fanatiker:
Auch die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth bewertete die Auftritte Erdogans in Deutschland positiv und monierte, die gegenwärtige Integrationsdebatte sei von großer Unkenntnis geprägt. Erdogan habe dazu beigetragen, nach der Brandkatastrophe von Ludwigshafen die Emotionen einzudämmen. Es sei bemerkenswert, dass er als erster türkischer Regierungschef seine Landsleuten in Deutschland aufgerufen habe, deutsch zu lernen.
Und wenn eines Tages die Mordbrenner durch die Straßen ziehen, wenn Kopftuch und Rammadan Alltag sind, wenn der Muezzin in Deutschland die Menschen weckt, wenn Scharia das GG ablöst und der Bundestag Personialiengleichheit mit der Islamkonferenz aufweist: Claudia Roth wird das alles toll finden. Gott schütze die Menschen in Deutschland gleich welcher Herkunft vor Claudia Roth.
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